1. Navigation
  2. Inhalt
  3. Herausgeber
Inhalt

Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung

Allgemeines

Als Menschenhandel werden Anwerbung, Beförderung, Verbringung, Beherbergung oder Aufnahme von Personen - meist Frauen - durch Androhung oder Anwendung von Gewalt, durch Nötigung, Entführung, Betrug, Täuschung, Missbrauch von Macht oder Ausnutzung besonderer Hilflosigkeit zum Zweck der Ausbeutung bezeichnet. In den meisten Fällen werden die Frauen zur zwangsweisen Prostitution oder anderen Formen sexueller Ausbeutung ausgenutzt. Die Einwilligung des Opfers ist für den Straftatbestand Menschenhandel unerheblich. Im Freistaat Sachsen ist Menschenhandel ein Kontrolldelikt mit recht geringen Fallzahlen im Vergleich zu anderen Bundesländen, wenngleich sich Sachsen durch seine geografische Lage als ein potentielles Übertrittsland darstellt. Herkunftsländer der im Freistaat Sachsen betreuten Opfer sind vorwiegend Afghanistan, Rumänien, Ukraine, Nigeria, Deutschland, Kamerun, Ungarn und Iran. Rechtsgrundlage zur Verfolgung des Straftatbestandes Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung ist § 232 Strafgesetzbuch (StGB).

Fachberatungsstelle für Opfer von Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung

Die sächsische Fachberatungsstelle für Opfer von Menschenhandel, KOBRAnet, wird vom Freistaat Sachsen nach der »Richtlinie zur Förderung der Chancengleichheit« gefördert. Die Fachberatungsstelle ist mit Sitz in Dresden beziehungsweise Zittau landesweit tätig.

KOBRAnet

  • ist innerhalb eines internationalen Netzwerkes Anlaufstelle für Frauen, die Opfer von Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung oder von Heiratshandel sind und konkrete Hilfe und praktische Unterstützung brauchen,
  • berät und begleitet Opfer von Menschenhandel-, in psychosozialen, medizinischen, juristischen, aufenthaltsrechtlichen, sprachlichen und finanziellen Problemlagen und unterstützt sie gegebenenfalls bei einer Rückkehr ins Herkunftsland,
  • führt gemeinsam mit der Sächsischen Landespolizei Streetwork und Begehungen im Rotlichtmilieu durch, um bedrohte Opfer besser zu erreichen, 
  • arbeitet in Netzwerken auf lokaler, regionaler, nationaler und internationaler Ebene,
  • betreibt Lobbyarbeit auf gesellschaftlicher und politischer Ebene.

Die Fachberatungsstelle für Opfer von Menschenhandel KOBRAnet arbeitet eng mit der Polizei zusammen. Dies betrifft die Ermittlungsverfahren wegen Menschenhandels nach §§ 232 ff StGB. Opfer, die für eine Kooperation mit der Polizei wichtig sind und Zeugenaussagen machen können, erhalten durch die KOBRAnet eine umfassende Beratung und Begleitung. Diese Zusammenarbeit ist in einer Kooperationsvereinbarung geregelt.

Um die Bekämpfung des Menschenhandels zum Zweck sexueller Ausbeutung zu effektivieren, nimmt KOBRAnet einen Standortwechsel von der Randlage in Zittau nach Dresden vor, der Ende 2014 abgeschlossen sein wird. Ein Beratungsbüro in Dresden besteht bereits.

Im Jahr 2013 wurden 16 Opfer von Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung durch die Fachberatungsstelle KOBRAnet betreut. Es muss von einem hohen Dunkelfeld ausgegangen werden.

Marginalspalte

© Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz